In Südamerika sind nach Angaben der WHO

schätzungsweise über 16 Millionen Menschen mit dem Chagas-Erreger infiziert; etwas 50000 sterben jährlich an dieser Krankheit. Allein in Bolivien, mit seinen acht Millionen Einwohnern, ist ein Viertel der Bevölkerung betroffen. Die Chagas Krankheit herrscht nicht nur in den tropischen Gebieten, wie von vielen Autoren behauptet, sondern auch im Hochland. Anders als in Südamerika ist die Chagas-Krankheit in Europa weitgehend unbekannt. Informationen finden sich ausschließlich in einschlägiger Fachliteratur der Forschungsinstitute. Carlos Chagas, ein Arzt und Bakteriologe aus Brasilien, hat die Krankheit, die seinen Namen trägt, entdeckt und 1909 zum ersten Mal beschrieben. Die Krankheit wird durch den Erreger Trypanozoma Cruzi verursacht. Dieser Einzeller wird durch eine Blutsauger-Raubwanze namens Vinchuca auf den Menschen übertragen.Die Raubwanze lebt in den mit Stroh gedeckten Lehmhütten der armen Bevölkerungsschicht auf dem Land.

Die Tiere sind nachtaktiv und lassen sich von der Decke der Hütten direkt auf ihre Opfer fallen.Die Infektion erfolgt nicht durch den Stich selbst, sondern durch Einreiben des erregerhaltigen Kots einer infizierten Raubwanze in die Stichwunde oder direkt durch die Haut. Bei einer erkrankten Mutter ist die Infektion des Fötus während der Schwangerschaft fast unausweichlich, so dass das Kind bereits mit der Krankheit geboren wird. Die Chagas Krankheit durchläuft beim Menschen zwei Stadien:

Das erste, akute Stadium kurz nach der Infektions-Übertragung beginnt mit grippeähnlichen Symptomen, wobei im Bereich des Gesichtes Entzündungszeichen mit Ödemen in Höhe der erzeugten Wunden auftreten, die sogenannten Chagome. Ein typisches Merkmal für die Früherkennung ist das Romafia-Zeichen, die Bildung eines Chagoms im Bereich des Auges. In diesem Stadium sind meistens Kinder betroffen.

Das chronische Stadium tritt in späteren Jahren allerdings nicht bei allen infizierten Personen auf. Hier finden sich dann Veränderungen in Bereich des Nervensystems und des Gastrointestinaltrakts. Vor allem die Herzmuskelschädigung führt zur Kardiomyopathie und zum „Plötzlichen-Herztod“.

Die medikamentöse Behandlung der Chagas-Krankheit ist nur im Früh-Stadium erfolgreich. Die Mortalität der unbehandelten Patienten ist sehr hoch. Trotz den Bemühungen der Regierung und der ausländischen Hilfe durch Sanierung der Behausungen und der Verbesserung der hygienischen Zustände, läßt sich die Eindämmung der Krankheit nicht kurzfristig verwirklichen. Kardiomyopathien, die zur Dilatation der Herzmuskulatur führen, gehen einher mit Herzrhythmusstörungen, die die Implantation von Schrittmachern erfordern. Viele Patienten versterben deshalb, weil nicht rechtzeitig ein Herzschrittmacher implantiert wird und weil die Krankenkassen, insofern überhaupt vorhanden, in der Regel die notwendigen Behandlungskosten nicht übernehmen und die Patienten der betroffenen armen Bevölkerungsschicht sich aufwendige Behandlungen nicht leisten können.